CD MOHNMARZIPAN erschienen 2006 bei Intuition
listen to some excerpts: • Die Rufnummer • Guadalupe • Kleiner Marsch No. 2
Silke Eberhard Quartett, Intutition
Personnel:
Niko Meinhold - Piano, Jan Roder - Bass, Sebastian Merk - Drums, Silke Eberhard - Altosax, Clarinet, Bassclarinet
REVIEWS:
EUPHORIUM Magazine.
Independent Reviews of Jazz, Contemporary & Improvised Music written by Oliver Schwerdt.Festival Musik-Zeit 2007 (Leipzig, 9.-11. Februar 2007)
"....Im Leipziger Kulturhaus „naTo“ verteilen sich die beiden Musiker auf zwei andere Bands. Zunächst ist Roder im Quartett von Silke Eberhard zu erleben. In einem kurzatmigen Groove steht die Band mit latinem Einschlag und swingt schon im ersten Titel. Sie klingt frisch, klingt modern, klingt kinderleicht. Altsaxofonistin Eberhard verfügt sofort über einen „feinen Ton“ (Hansi Noack), bläst exquisit warm bis dünn - eine wahre Registervirtuosin! Des Schlagzeuger Merks Hemd, längsgestreift. Des Pianisten Thessalonikis Haar, ergraut. Aus dem konventionellen Ansatz - Begleitband plus Solist, Themen, Soli, Einzählen und chromatisches Rücken - erwachsen sensible Atmosphären. Die Vier können abstrakt, kammermusikalisch exakt musizieren. Faszinierend, wenn es die Eberhard vom Hall angefeuchtet in den Hintergrund zieht, nur für einen Moment, die Zeit mitnimmt und die ganze Band umdreht. Roder schrägt sowieso windschiefem Bewusstsein. Im Laufe des Konzerts tritt der Bassist immer offensiver in Erscheinung. Mühelos, ohne Faxen. Alle sehen ihn. Im Solo, naiv, in extremer Distanz zu seinem Instrument, seiner professionellen Rolle versunken. Dann diese famosen Accelerandi und Ritardandi des agogischen Walking Bass. Der Gipfel von Roders Beiträgen zum Silke Eberhard Quartett stellt an diesem Abend die minimale Ballade „Jetzt reicht’s“ dar: übergroß..."
Jazzzeitung - Critics Choice im July 2006
Jazzzeitung ChartsReinhold Horn, Jazzradio Nürnberg
Silke Eberhard Mohnmarzipan; Intuition
Die junge Berliner Saxophonistin und Bassklarinettistin Silke Eberhard setzt mit iher neuen Scheibe zu mutigen Höhenflügen an, wie man sie in dieser Frische und Verve zuletzt nur von Alejandro Sánchez gehört hat.
www.phonag.ch - Jazz und Classiks, Mai 2006
Silke Eberhard : Mohnmarzipan, Intuition
Silke Eberhard sax/cl, Jan Roder p/melodica, Niko Meinhold b, Sebastian Merk dr
Eines der seltenen, von einer Frau geführten Quartette. Aufgewachsen mit Blasmusik, fasziniert von Big Band Jazz, entwirft sie ausdrucksstarke, freedom-gesättigte Tunes. Grooves und Gesten werden zu Klangbrocken gemeisselt, nebeneinander gestellt, ineinander geworfen. Ein verspieltes, unternehmungslustiges Album, an dem Charles Ives, Carla Bley, Ornette Coleman und Eric Dolphy ihre wahre Freude hätten!
Jazzpodium - CD-Review Mai 2006 Silke Eberhard Quartett - Mohnmarzipan, Intuition, INT 3393 2
Vom Fahrstul in die gute Stube? So wenig Silke Eberhards Elevatormusic von 2001 mit smoothiger Belanglosigkeit zu schaffen hatte, so wenig taugt Mohnmarzipan zur tortigen Gemütlichkeit eines sonntagnachmittäglichen Verwandtenbesuchs samt Kaffeekränzchen im heimatlichen Heidenheim. Von da hat sich Silke Eberhard, as, cl, bcl, sowieso schon lange weg begeben. Seit Jahren lebt sie in Berlin trägt aktiv und auf hohem spielerischem Niveau bei zum kreativen Potential der Hauptstadt. Spannende Geschichten hat sie auf Lager, solche die eben nicht glatt laufen, nichts unter den Teppich kehren oder unter der großen warmen Haube kollektiver Harmoniebedürfnisse verstecken. Eberhard analysiert genau, konturiert scharf, dekonstruiert ohne Scheu und kontrastiert hart, eher schlank im Sound, sparsam im Arrangement, transparent und trocken im ausdruck, humorvoll und bissig in den Kommentaren. Unter der Mitwirkung von Niko Meinhold, p, melodika, toys, Jan Roder, b, und Sebastian Merk, dr, kommen Freiheit und Bindung zu Recht, kann und soll das kontrollierte Gespräch gerne mal entgleisen - nicht immer, aber immer öfter -, dabei aber um so mehr davon zeigen, was sich unter der Oberfläche abspielt und jenseits der Konvention, dann wenn das Gute Geschirr abgeräumt ist und das Dirndl wieder im Schrank hängt. Übrigens: Das Tortenrezept ist beigelegt. Guten Appetit!
(Tobias Böcker)
Jazzthetik - CD-Review April/Mai 2006
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Mohnmarzipan will nicht kuscheln, sondern zerrt mit der Ausdauer eines Straßenköters am Hosenbein des Zuhörers, beansprucht die volle Aufmerksamkeit. Im Booklet zeigt die Bandleaderin auch schon mal lächelnd die Krallen. Die Musik auf Mohnmarzipan ist einerseits nervös, urban und arbeitet nötigenfalls auch mit dissonanten Toy-Instrumenten oder der im Jazz eher ungewöhnlichen Melodika, andererseits ist den spannungsvollen Kompositionen häufig ein Augenzwinkern inne, wenn ein Track wie "Die Rufnummer" rhythmisch schon mal beim Besetzt-Zeichen verweilt. Überhaupt setzt Niko Meinhold höchst bemerkenswerte Aktzente auf diesem Album, treibt die Musik gemeinsam mit Eberhard unablässig voran. Stsets ungeduldig und gerne, aber nicht durchweg (Himno ist eine sehr schlüssige Ballade) umptempo sucht das Quartett dabei die überraschende Auflöäsung, die Zuspitzung des Sounds (was auch ganz leise werden kann, wie bei No. 4) und balanciedrt voller Eleganz an der Kippe zur freien Musik. Live dürfte das Quartett ein ziemlicher Spass sein, für den Tonträger muß man sich die ihm gebührende Zeit nehmen. Was in jedem Fall als Kompliment verstanden sein, aber auch das einer ganz anderen Ästhetik folgende Album des PvET nicht abwerten soll. Wer viel Zeit und einen guten Brand im hause hat (Hauptsache keinen Zimmerbrand! Anm. des Korrektors) kann auch das Mohnmarzipan beiliegende Rezept eines "Marzipan Poppy Seed Cake" ausprobieren. Wohin das dann im Falle eines sich "interessant" entwickelnden Nachmittags führen kann, verraten wiederum die Booklet-Fotos.
(Ulrich Kriest)
Jazzthing - April 2006
Das Debüt Album des Silke Eberhard Quartetts heißt nicht nur Mohnmarzipan (Intuition/Al!ve) - und hat ein Cover-Foto zwischen "heimelig" und "gewöhnungsbedürftig" -, nein, hinter der CD findet sich auch das Rezept für den leckeren Mohnmarzipankuchen auf dem Cover. Nicht gerade leicht verdaulich ist auch die Musik des Berliner Vierers: schräge Themen, äußerst merkwürdige Instrumentierung (Bassklarinette, Melodica) und nie nachlassende Energie. Da braucht man einen Schlagzeuger, der das alles zusammenhält. Sebastian Merk kann das. (...) Man spürt die Tightness..
(Eberhard: )"Aber die Sachen die Monk beispielsweise in den sechziger Jahren aufgenommen hat, könnte ich auch den ganzen Tag hören. Und da ich Bassklarinette spiele, verehre ich natürlich Eric Dolphy." Um mal ein ganz stumpfes Kompliment zu machen: Das hört man. (Rolf Thomas)